Gastartikel der Genussgemeinschaft Städter und Bauern

veröffentlicht 2013 in Slow Food Deutschland ( Solidarische Landwirtschaft) mit freundlicher Genehmigung von Frau Marlene Hinterwinkler

Mit Verantwortung und Genuss Stadt und Land verbinden und gemeinsam Zukunft gestalten – die Genussgemeinschaft Städter und Bauern setzt sich für den Erhalt einer bäuerlich-handwerklichen Lebensmittelvielfalt in den Regionen ein. 

Gut und gesund essen können wir nur, wenn die Menschen, die diese guten und echten Lebensmittel produzieren, von ihrer Arbeit leben können. Eine intakte und vielfältige Kulturlandschaft erhalten wir nur, wenn die Art der Landwirtschaft, die sie hervorbringt, überleben kann. Genuss braucht heute Verantwortung und Solidarität – damit wir auch morgen noch echte Lebensmittel genießen können. Gut für den Produzenten – gut für die Umwelt – gut für uns alle!

Die Grundlage des Projektes bilden Investitions- und Einkaufsgemeinschaften in Zusammenarbeit mit bäuerlichen und handwerklich arbeitenden Betrieben und Produzenten. Damit zeigen wir durch kreatives, menschenwürdiges Wirtschaften Alternativen zur gängigen Marktpraxis auf. Wann geben Betriebe auf? Was hindert junge und gut ausgebildete Menschen daran, in der Landwirtschaft Fuß zu fassen? Der verheerende Schwund an kleinbäuerlicher Landwirtschaft und traditionellem Lebensmittelhandwerk in Deutschland setzt sich seit Jahrzehnten ungehindert fort. Dabei gibt es einen Hauptgrund, warum Landwirte aufgeben bzw. gar keinen Hof finden:

Es mangelt am nötigen Geld

Investitionen: Auch in kleinen Hofstellen werden von Zeit zu Zeit Investitionen fällig – ein neuer Stall, eine Veredelungsanlage, ein neuer Traktor. Kleine Betriebe – so die geläufige Meinung von Staat und Bank, sind nicht effizient und nicht überlebensfähig.

Junge Menschen, die sich wieder einer kleinteiligen Landwirtschaft oder innovativem Handwerk zuwenden möchten, stehen vor demselben Problem: da sie über keine Sicherheiten verfügen und für die Bank oft zu riskant scheinen, haben auch sie wenig Zugang zu Geld.

Betrachtet man allerdings kleinbäuerliche Höfe, die direkte Kundenbeziehungen pflegen, so wird schnell klar, dass diese Betriebe sehr wohl bestehen können.

Die Genussgemeinschaft Städter und Bauern berät und betreut Landwirte bei der Suche nach Investoren für ihren Betrieb.

Wenn viele Menschen wenig Geld geben, verteilt sich das Risiko – und eine bäuerliche Familie erhält die Möglichkeit, gute Lebensmittel auf eine selbstbestimmte Art zu produzieren. Ein Gewinn für beide Seiten: den Landwirt und seine Kunden/Abnehmer, die damit zum Koproduzenten avancieren.

Die Umwelt – von Bodenqualität bis zur Vielfalt auf Feld und Wiese und der artgerechten Nutztierhaltung – profitiert von kleinen Strukturen.

Für Verbraucher eine sinnvolle Geldanlage für regionale Wertschöpfung

Wenn Sie Interesse daran haben, dass Ihr Geld sinnvoll in der Region arbeitet und nicht irgendwo weit weg Schaden anrichtet, dann schreiben Sie uns.

Zum Erstkontakt wenden Sie sich bitte an:

Marlene Hinterwinkler
Sie erfahren dann regelmäßig, welche Betriebe sich in Ihrer Nähe für diesen Weg entschieden haben.

Für Landwirte und Lebensmittelhandwerker mit Investitionsbedarf

Wenn Sie als praktizierender oder angehender Landwirt und Lebensmittelhandwerker Teil unserer Gemeinschaft werden wollen, nehmen Sie ebenfalls bitte mit uns Kontakt auf.

Lösungsvorschläge für Direktabsatz: Ein gangbarer Weg für beide Seiten

Das gegenwärtige System der Landwirtschaft, der Lebensmittelerzeugung und -versorgung ist (nur) scheinbar „alternativlos“. Überproduktion und Verschwendung auf der einen Seite, Exporte zu Dumpingpreisen und schiere Existenznot auf der anderen Seite – nicht nur bei heimischen Erzeugern, sondern auch weltweit. Über die Konsequenzen denken wir beim Einkauf im Supermarkt meist nicht nach oder wir wissen es einfach nicht.
Sowohl in der Industrie als auch im Handel haben sich Strukturen verselbständigt, gegen die anzukommen kaum möglich erscheint. Zumal der politische Wille dazu fehlt und die entsprechenden Lobbyverbände stark sind. In der Bundesrepublik bestimmen die Chef-Einkäufer von gerade mal fünf Konzernen weitgehend, was Verbraucher beim Einkauf im Lebensmitteleinzelhandel vorfinden – und sie diktieren den Erzeugern auch die Preise. Nicht nur die Bauern, ihre Tiere und die Umwelt leiden darunter, auch die sozialen Bedingungen der Angestellten und Arbeiter bleiben dabei auf der Strecke.

Ändern können das nur die Betroffenen dieses Systems selbst. Die Lösung heißt: direkte Beziehung zwischen Erzeugern und Abnehmern, seien sie Privatkunden, Weiterverarbeiter oder Gastronomen. Wer seine Lebensmittelerzeuger kennt, weiß, wie sie arbeiten, weiß, welche Qualität sie bieten, und hat die größte Sicherheit vor Betrug oder Skandalen. Denn diese direkte Beziehung basiert auf Vertrauen, das wir anonymen Strukturen nie entgegenbringen können und dürfen. Einzige Bedingung: Wir müssen bereit sein, hinzuschauen und uns zu informieren. Um dann eine souveräne Wahl zu treffen, die nur wir treffen können – für gute, saubere und fair erzeugte Lebensmittel.

Fairer Preis für gute Lebensmittel durch direkte Kundenbeziehung

Hofstellen mit Kreislaufwirtschaft und Produktveredelung vor Ort sind arbeitsintensiv. Mit dem Verkauf der unverarbeiteten Lebensmittel könnten diese Betriebe jedoch kaum überleben. Kleine Produktionsmengen eignen sich nicht für den Handel und zur Weiterverarbeitung in der Industrie; der niedrige Preis macht den Verkauf von Rohware in Kleinmengen unmöglich.

Diese Betriebe sind darauf angewiesen, einen fairen Preis für ihre Erzeugnisse zu erhalten. Viele Betriebe können nur überleben, wenn sie mit einem zweiten Standbein auftreten, indem sie z.B. Ferienwohnungen vermieten, Pferdepensionen betreiben oder ihre Produkte an die Spitzengastronomie und den Feinkosteinzelhandel verkaufen können.

Einige wählen den Weg der Direktvermarktung. Hofläden sind für Städter allerdings schwer erreichbar, und so gibt es neue Lösungsansätze, Städter direkt mit Produkten aus dem Umland zu versorgen:

Einkaufsgemeinschaften 
www.genussgemeinschaft.de

Solidarische Landwirtschaft 
www.solidarische-landwirtschaft.org

Food Koop 
am Beispiel Wien:„D`Speis“ (YouTube)

Genossenschaftlicher Gemüseanbau
am Beispiel München

Bauernmärkte 
am Beispiel Oberbayern

Unsere Einkaufsgemeinschaften sind allesamt in München – wer in seiner Region die Versorgung mit regionalen Produkten und kleinbäuerlichen Betrieben aus dem Umland verbessern möchte, dem stehen wir gerne mit Rat und Tat zur Seite.

Wir freuen uns über jeden, der aktiv mitwirken möchte! Denn: Jeder investierte und jeder ausgegebene Euro gestaltet unsere Zukunft und entscheidet darüber, welche Betriebe und welche Formen des Wirtschaftens erfolgreich sind.

Internationales Terra Madre Netzwerk

Seit 2010 ist das Projekt „Genussgemeinschaft Städter und Bauern“ als deutsche Lebensmittelgemsinschaft Teil des weltweiten Terra Madre-Netzwerks. Terra Madre ist 2004 von Slow Food ins Leben gerufen worden, um Erzeugergemeinschaften, Konsumenten-Initiativen, Köchen, Universitäten, Organisationen – so genannten Lebensmittelgemeinschaften – aus der ganzen Welt eine Austausch-Plattform anzubieten, mit dem Ziel eine gute, saubere und faire Lebensmittelproduktion und Esskultur zu fördern und konkret umzusetzen. Mehr Informationen dazu finden Sie auf der internationalen Terra Madre Website.

Ansprechpartner und mehr Informationen:

www.genussgemeinschaft.de
Petra Wähning 
Johannes Bucej
Marlene Hinterwinkler
Genussgemeinschaft in den Medien:

Slow Food Pressespiegel „Solidarische Landwirtschaft“
Bilder von oben nach unten:  1) Murnau Werdenfelser Rind in der Sommerfrische Nähe Bucheralm/Fischbachau; 2) Sommerwiese bei der Bucheralm; 3) Theke Hofladen, köstliche Käse aus Murnau Werdenfelser Milch und Ziegen vom Hof, 4) Slow Food Schild an der Almtüre 5) Jedes Jahr am 10. Dezember feiert Slow Food den internationalen Terra Madre Tag.  | © Genussgemeinschaft Städter und Bauern (5), Slow Food Logo (1)

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