Traditioneller Olivenanbau und alte Olivensorten für die Gesundheit

Gastartikel von Evelin Krenzer

Chemlali OlivenbaumIn Europa sind die meisten traditionell bewirtschafteten Olivenhaine superintensiven Olivenplantagen gewichen. Wie in anderen Bereichen der Lebensmittelherstellung herrscht auch hier ein enormer Preisdruck, der an den Bauern weitergegeben wird.

Es ist aber nicht nur eine Frage der verträglichsten Anbaumethode für die Umwelt, sondern auch ein Frage des gesundheitlichen Werts unserer Nahrung. So steht Olivenöl im Ruf effektiv bei Bluthochdruck, Cholesterin und Diabetes zu helfen. Medizinische Studien belegen die besagte Wirkung nur bei Olivenölen mit einem hohen Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen, während gängige Olivenöle aus dem Supermarkt nur etwa ein Zehntel der sekundären Pflanzenstoffe haben und daher wirkungslos sind.

Industrielle Olivenöle – auch der ersten Güteklasse „Natives Olivenöl extra“- profitieren zweifellos von den positiven Ergebnissen solcher medizinischer Studien, auch wenn sie die Kriterien der Studien nicht erfüllen Die Qualität des Olivenöls und der gesundheitlichen Nutzens wird maßgeblich durch die Wahl der Olivensorte und die einhergehende Anbaumethode bestimmt.

Eine Auflistung der Olivensorten und ihrem Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen findet man auf http://gesundesolivenoel.blogspot.de/p/olivensorten.html

Traditioneller Olivenanbau hat den höchsten Wert für die Natur

Der traditionelle Olivenanbau berücksichtigt die Bodengegebenheiten und das vorhandene Klima. Im regenreichen Europa können auf diese Weise etwa 50 Olivenbäume/ Hektar angebaut werden. Am Rande der Wüste in Süd-Tunesien können mit der traditionellen Olivenanbaumethode etwa 17 Olivenbäume/ Hektar angebaut werden.

Beim traditionellen Olivenanbau stehen die Olivenbäume weit verstreut mit anderen Bepflanzungen. So wachsen in Süd-Tunesien seit Jahrhunderten die Olivenbäume gemeinsam mit Mandelbäumen, da sie sich gegenseitig gegen Plagen schützen. Bei einem zu kargen Boden wird mit den Resten aus der Olivenölpressung, dem Trester, natürlich gedüngt. Der traditionelle Olivenanbau erhält die biologische Vielfalt und die Landschaft. In steilen Lagen dämmt der traditionelle Olivenanbau den Wasserabfluss ein und in Wüstengegenden wie in Tunesien stoppt er die Bodenerosion und Verwüstung.

Traditioneller Olivenanbau in mühsamer Handarbeit

Durch das weitläufige oder unzugängliche Gelände und die ausladenden Äste der alten Olivenbäume, ist der Einsatz von Maschinen bis heute nicht sinnvoll, und so werden die Olivenbäume in mühsamer Handarbeit abgeerntet. Die traditionelle Handernte ist schonend für die Olivenbäume und sie ermöglicht ihnen mehrere Hundert Jahre alt zu werden.

Nur alten Olivensorten sind stark genug

Winzige Chemlali Oliven
Winzige Chemlali Oliven

Nur alte Olivensorten, wie die Chemlali Olive in Tunesien, können traditionell angebaut werden. Denn sie stammen aus einer Zeit, als es noch keine chemischen Hilfsmittel oder künstliche Bewässerungen gab. Sie haben einen sehr geringen Wasserbedarf und eine natürlich hohe Widerstandskraft um den Widrigkeiten der Umgebung und dem kargen Boden zu trotzen. Die hohe Widerstandskraft der alten Olivensorten spiegelt sich in einem hohen Gehalt an wertvollen sekundären Pflanzenstoffen wider. Der Mangel an “menschlicher Fürsorge“ im traditionellen Anbau steigert zusätzlich den Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen in der Olive.

Alte Olivensorten haben deutlich mehr sekundäre Pflanzenstoffe

Sekundäre Pflanzenstoffe dienen der Immunabwehr und sorgen für die Robustheit und hohe Widerstandskraft des Olivenbaums und bleiben im Olivenöl erhalten. Hierzu zählen die Polyphenole, Vitamin E und Sterine. Polyphenole haben eine starke antimikrobielle und entzündungshemmende Wirkung. Vitamin E wirkt antioxidativ, indem es freie Sauerstoffradikale unschädlich macht, dadurch die Zellmembranen schützt und einem frühzeitigen Alterungsprozess entgegenwirkt. Sterine senken den Cholesterinspiegel im Blut, indem sie nur die LDL-Konzentration im Blut senken. Sie haben eine protektive Eigenschaft vor Prostata-, Dickdarm-, Brust- und Magenkrebserkrankungen.

Der superintensive Olivenanbau & die Wüstenbildung in Europa

Im superintensiven Olivenanbau werden bis zu 2000 Olivenbäume/ Hektar in Monokulturen angebaut. Er basiert auf dem intensiven Einsatz von künstlicher Bewässerung, chemischer Düngung und Pestiziden. In engen Reihen werden moderne kleinwüchsige Olivensorten gepflanzt und etwa alle 25 Jahre herausgerissen und durch neue ersetzt. WWF und BirdLife International sehen im superintensiven Olivenanbau in Europa den Hauptgrund für die stark voranschreitende Bodenerosion und Wüstenbildung in Spanien, Italien, Portugal und Griechenland.

Die modernen Olivensorten sind anfällig und empfindlich und haben daher einen geringen Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen. Zu der beliebtesten Olivensorte des superintensiven Anbaus zählt die Arbequina Olive. Sie sind im superintensiven Anbau am rentabelsten und liefern heute den Löwenanteil des auf dem Markt erhältlichen Olivenöls.

Olivenöl-Marken wie Perle Noire (www.perlenoire.de) setzen daher gezielt auf alte Olivensorten aus traditionellem Anbau und Erster Ernte und tragen nebenbei zur Bewahrung des regionalen Ökosystems und zur Eindämmung der Bodenerosion bei.

 

2 Gedanken zu „Traditioneller Olivenanbau und alte Olivensorten für die Gesundheit“

  1. Wir haben in der „Genussgemeinschaft Städter und Bauern“ auch einen guten Olivenöl Produzenten in Griechenland auf der Insel Lesbos. Die Demeter Zertifizierung läuft. Das Öl wird über ein solidarisches Landwirtschaftsprojekt vertrieben, ein sog. CSA Projekt – Community Supported Agriculture.
    http://www.platanenblatt.de
    Die Genussgemeinschaft Städter und Bauern unterstützt kleine familienbetriebene Betriebe, die gut, sauber und fair arbeiten. Vielleicht wäre das auch ein Modell für das gute Öl aus Tunesien! ?

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